spezielle herausforderungen…

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Das ist unser Koffer, der uns nach Rom begleitet hat: ein großer Koffer, zu groß für die Kabine, so dass er einen Platz im Bauch der Maschine bekommen würde – oder so dachten wir zumindest.

Meine bessere Hälfte & ich hatten beschlossen, uns auf einen großen Koffer zu beschränken, denn es ist Sommer (man braucht nur leichte Kleidung!), unsere gemietet Wohnung hatte eine Waschmaschine & alles andere, was man so braucht… fein! Es war ein Flug von gerade mal gut 90 min (Köln – Rom), kein Zwischenstopp, kein Wechsel der Fluglinie oder Flugzeuges.

 

Fürs Protokoll:
Wenn wir sonst Langstrecken mit Zwischenstopps oder Intercontinentalstrecken fliegen, gehen wir immer auf Nummer sicher & nehmen Kabinengepäck mit, so dass wir Kleidung für 1-2 Tage dabei haben.

 

Diesmal hatten wir nur kleine Rucksäcke mit unserem Kommunikationsequipment. Fein. Nachdem wir in Rom gelandet waren, erfuhren wir, dass unser Koffer nicht an Bord gewesen ist. Noch schlimmer: es war nicht nur unser Koffer, der nicht auf dem Gepäckband erschien…

Es stellte sich heraus, dass anscheinend alle Passagiere vom Flug Köln-Rom ihr aufgegebenes Gepäck vermissten.

So bildete sich dann schnell eine Menschentraube & lange Schlangen vor „Lost & Found“ – alle, d. h. geschätzt so 120-130 Leute, waren dabei, Formulare für Gepäckverlust zu bekommen, sie auszufüllen & wieder einzureichen; die armen Angestellten hinter dem Schalter (2!) mussten dann alles in ihre Rechner eintippen. (Zu diesem Zeitpunkt erfuhren wir, das wohl ca. 90 Koffer nicht im Flugzeug verstaut worden waren, sondern nach wie vor in Köln herumstanden.)

Wir machten uns dann auf den Weg zu unserer gemieteten Wohnung & verließen uns vertrauensvoll auf die Ankündigung, dass unser Koffer am nächsten Tag geliefert werden würde.

 

Fürs Protokoll:
Es war natürlich nicht das 1. Mal, dass uns ein Koffer abhanden kam, aber bisher tauchte der Koffer immer am nächsten Tag morgens oder spätestens mittags in unserem Hotel oder in unserer Wohnung auf.

 

Wir machten es uns in der Wohnung bequem, kauften füs Frühstück am nächsten Morgen ein, hatten ein kleines Abendessen im Restaurant auf der anderen Straßenseite, starteten die Waschmaschine… es war Sommer: so sollte alles am nächsten Morgen getrocknet sein (und es war auch so!). Wir fanden etwas Shampoo & Duschgel im Badezimmer… kauften uns Zahnbürsten & Zahnpasta.. fanden ein paar TV-Kanäle in englischer Sprache & gingen schließlich schlafen.

Am nächsten Morgen warteten wir auf den Koffer. Nichts passierte. Gegen Mittag riefen wir am Flughafen in Rom an (übrigens ein sehr beliebtes Telefon (fast immer Besetztzeichen!) – auch nicht gerade überraschend, denn ich denke, dass all die anderen Passagiere genau das gleiche machten…) – nur um zu erfahren, dass von den etwa 90 (!) vermissten Koffern bis jetzt noch keiner in Rom aufgetaucht war. Daher gab es auch keine weiteren Informationen – Roms „Lost & Found” empfahl, die Fluggesellschaft zu kontaktieren.

Glücklicherweise waren wir kommunikationstechnisch voll ausgestattet, aber:

  • Die lokale Rufnummer unsere Fluggesellschaft in Italien, die auf ihrer Webseite genannt wird, funktionierte nicht.
  • Die Rufnummer in Deutschland ist eine „alte 0180-Nummer” (kostenpflichtig!), die uns damit begrüßte, dass sie eine Wartezeit von 30 min ankündigte. Natürlich haben wir sofort aufgelegt.
  • Wir starteten einen kleinen Twitter-Aufstand, der schließlich recht schnell zu einem Kontakt führte, aber die Twitter-Hotline der Fluggesellschaft bedauerte, dass sie nichts darüber wüssten & nichts tun könnten. Wir sollten uns mit der Gepäckermittlung in Verbindung setzen.
  • Die Gepäckermittlung unserer Fluggesellschaft hat keinen Telefonanschluss kommuniziert, es gibt nur Email & Briefpost. (Eine E-Mail führte nur zu einer Eingangsbestätigung.)

Es gibt eine Webseite mit der Tracking-Information zu verloren gegangenem Gepäck auf Basis der Tracking ID. (Diese bekommt man nach Ausfüllen des „Lost & Found“-Formulars.) Am späten Nachmittag sagte diese Webseite, dass unser Koffer nach wie vor vermisst sei.

Was tun?

Wir kauften ein paar Lebensmittel ein, schlenderten ein wenig durch das Viertel, waren beeindruckt von der Spanische Treppe & den engen Einkaufsgassen… & beschlossen, am nächsten Morgen Sandalen & Kleindung zu kaufen & unsere Toilettenartikel aufzustocken. Schließlich starteten wir wieder die Waschmaschine…

Am nächsten Morgen nach ein paar Einkäufen (Sommersandalen!) bekamen wir die Information, dass unser Koffer in Rom angekommen sei (um die Mittagszeit!). Also strichen wir erst einmal die Suche nach einem Kaufhaus & hingen herum – schließlich bekamen wir einen Anruf, dass unser Koffer zwischen 17:00 h & 23:00 h geliefert werden sollte. Wir hatten einen schönen Nachmittag – dann warteten wir… nichts. (Schließlich haben wir die Waschmaschine noch einmal angeworfen!).

Am nächsten Morgen erfuhren wir, dass „Lost & Found“ vom Flughafen Rom es nur geschafft hatte, am Vortag etwa 50 Koffer auszuliefern (ganz ehrlich: ich kann das nachvollziehen & auch verstehen…). Also wurde unser Koffer für den Nachmittag angekündigt – er kam gegen Abend. Keine Beschädigungen.

 

Resümee:

  • Wie konnte es passieren, dass niemand in Köln bemerkt hat, dass etwa 90 Koffer nicht in das Flugzeug geladen wurden? (Ich kann’s nicht recht glauben!) 
  • Wie kann es sein, dass die Crew an Bord die Passagiere nicht informiert hat? Oder dass wenigsten in Rom eine Information durch die Fluggesellschaft erfolgte, als die Passagiere zu den Gepäckbändern kamen? 
  • Der Flug startete (mit Verspätung!) um ca. 14:00 h am Mittwoch; unser Koffer (genau wie alle anderen – denke ich) wurde erst am Freitagvormittag nach Rom verschickt – wie der neue Gepäckaufkleber uns verriet.
    Warum hat sich niemand um das Gepäck gekümmert?
    Warum vergingen 2 Tage, bevor das Gepäck eingeflogen wurde?
     
  • Warum hat die Fluggesellschaft, die alle Kontaktdaten der Passagiere besitzt, nicht versucht, verlässliche Informationen über den Statuszu kommunizieren? (Proaktives Vorgehen!)

 

 

Fürs Protokoll:
Wenn es sich nur um einen einzelnen Koffer gehandelt hätte, der verloren gegangen wäre – ok: ich hätte die Verzögerung verstehen können.., aber wir reden hier über 90 Koffer!

 

Oh verdammt – Ich hatte ja ganz vergessen, dass Donnerstag Fronleichnam war, ein katholischer Feiertag in NRW (speziell in einer katholische Region wie Köln), einer diese Feiertage, an denen alles ruht… Könnte es sein…?

 

Neben der Herausforderung, wie wir den verlorenen Koffer zurückbekommen konnten, war da auch noch die Herausforderung, ohne Koffer zu überleben. OK – wir hatten all unser Kommunikationsequipment in unseren Rucksäcken ebenso Reiseunterlagen, Reiseführer etc. So hatten wir – wenigsten – keine Probleme, Anrufe zu machen, Webseiten aufzusuchen, E-Mails zu senden, zu twittern etc.

Jeder von uns hatte natürlich nur ein Outfit, aber es gab ja die Waschmaschine… So schaffen wir es, immerhin jeden Morgen mit frisch gewaschenen Sachen zu beginnen. Einkäufe zu Basis-Toilettenartikeln waren machbar – was bei dem warmen/heißen Wetter in Rom unverzichtbar ist.

Der einzige wirkliche Nachteil war das Fehlen verlässlicher Informationen. So konnten wir in den beiden Tagen (Freitag & Samstag) erst einmal keine Ausflüge nach Rom starten… da wir immer auf das Gepäck warten mussten.

 

Fürs Protokoll:
Ein andere Ergebnis dieser „Herausforderungen“ ist unsere aktuelle Diskussion darüber, wie wir unser Reisegepäck umstellen & optimieren können. Wir denken an Kabinengepäck (maximal zulässige Größe – wie der eine Koffer, den wir schon haben). Unglücklicherweise packen wir meist viel zu viel ein – also müssen wir in Zukunft etwas rationaler zu Werke gehen & alles minimieren. (Im Notfall gibt es immer eine Lösung – überall gibt es Geschäfte!)
(So bleibt erst einmal als einziger offener Punkt, wir mit den Toilettenartikeln klar kommen (Anzahl & Größe sind für das Kabinengepäck streng limitiert!))

 

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